170.000 Jungaale für die Region: 15. Bremerhavener Aalbesatzmaßnahme setzt starkes Zeichen für den Artenschutz
21. Mai, 14:00 Uhr an der Alten Lune in Bremerhaven: Während in der politischen Debatte häufig pauschale Verbote im Vordergrund stehen, wird hier proaktiv gehandelt. Rund 170.000 Jungaale wurden im Rahmen der 15. Aalbesatzmaßnahme erfolgreich in die lokalen Gewässer entlassen. Die Aktion markiert einen weiteren Meilenstein in einem der beständigsten regionalen Naturschutzprojekte.
Gelebter Artenschutz statt leerer Worte
Der Europäische Aal (Anguilla anguilla) steht unter erheblichem Druck. Die Gründe dafür sind komplex und wissenschaftlich gut dokumentiert:
- Veränderte Lebensräume durch den fortschreitenden Klimawandel.
- Mechanische Barrieren wie Querbauwerke und Wasserkraftanlagen, die die natürlichen Wanderrouten blockieren.
- Hoher Prädationsdruck sowie der anhaltende illegale Glasaalhandel außerhalb Europas.
Werner Frank, Vorsitzender des Angelsportvereins (ASV) Bremerhaven-Unterweser e.V., und Alexander Wever von der Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e.V. machten in ihren Ansprachen vor den zahlreichen Helfern und Gästen deutlich: Der Aal braucht keine rein theoretischen Debatten, sondern Menschen, die seine Bestände aktiv stützen.
Was hier passiert, ist gelebter Naturschutz. Wir übernehmen Verantwortung für unsere Gewässer – mit Fachwissen, Ausdauer und vollem ehrenamtlichen Einsatz.
Logistik nach Plan: Präziser Besatz für niedersächsische Gewässer
Der Besatz erfolgte nicht zufällig, sondern folgte einem präzisen Besatzplan, um den Jungfischen optimale Startbedingungen und Schutz zu bieten. Ein wesentliches Kriterium der Aktion: Die Jungaale wurden ausschließlich in niedersächsische Gewässer eingebracht.
Der Startschuss fiel an der Petrihütte des ASV Bremerhaven-Unterweser, wo die ersten Tiere in die Neue Lune eingesetzt wurden. Von dort aus verteilten die Helfer die Fische auf zahlreiche weitere, ökologisch geeignete Abschnitte der Lune, Geeste und Rohr.
Starke Allianz: Finanzierung durch EU, Land und Ehrenamt
Dass Naturschutz eine Gemeinschaftsaufgabe ist, zeigt sich auch in der Finanzierung: Das Land Niedersachsen und die Europäische Union (EU) beteiligen sich mit 58 % an den Kosten der Besatzmaßnahme. Die verbleibenden Mittel werden durch die Mitgliedsbeiträge der Anglerinnen und Angler aufgebracht, flankiert von regionalen Spendern und Sponsoren sowie dem unentgeltlichen Einsatz der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer vor Ort.
Einordnung: Über 15 Jahre wissenschaftlich fundierte Pionierarbeit
Die aktuelle Maßnahme ist keine Eintagsfliege, sondern Teil einer langfristigen Strategie. Die Bilanz der vergangenen Jahre ist beeindruckend:
- Über 1,7 Millionen Jungaale wurden bis heute durch den Verein in der Region ausgesetzt.
- Über 15 Jahre Engagement im ESF: Der ASV Bremerhaven-Unterweser gehört zu den ersten Angelvereinen Deutschlands, die sich dem Eel Stewardship Fund (ESF) angeschlossen haben. Umwelt- und Naturschutz genießen hier seit jeher Priorität und werden aktiv an die nächste Generation weitergegeben.
Begleitet und initiiert wird das Projekt von der Initiative zur Förderung des Europäischen Aals e. V., die sich bereits seit 2009 als Allianz aus Fischern, Verarbeitern und Händlern für den Schutz und die nachhaltige Nutzung des Aalbestandes einsetzt. Die Aktion in Bremerhaven zeigt eindrucksvoll, wie effektiver Artenschutz durch die enge Zusammenarbeit von Politik, Ehrenamt und Wirtschaft gelingt.





