Faszination Aal

Aale sind wundersame Tiere, die für die Forschung noch viele Geheimnisse bergen. Kaum eine Spezies ist so allgegenwärtig und dabei noch so unbekannt wie der Aal.

Ebenso ist er ein enorm wichtiger Teil der Kulturlandschaft Europas und Deutschlands. Seine Bedeutung für die Kultur und Wirtschaft wird dabei auch in der Geschichte heiß diskutiert.

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Aal-Lebenszyklus

Der beeindruckende Lebensweg des Aals.

Historie & Mythen

Der Aal zwischen den Zeiten und die geltenden Mythen über ihn.

Besonderheiten

10 bemerkenswerte Fakten über den Aal.

Aal-Kultur

Die Aal-Wirtschaft lebt vom Aal und hilft im Gegenzug.

Der Aal-Lebenszyklus

Ein Phänomen der Natur

Der Aal fasziniert Forscher und Menschen seit vielen Jahrhunderten. Besonders sein Lebenszyklus gleicht einem Naturwunder, denn so recht weiß niemand, wie die Aal-Spezies sich fortpflanzt. Zwar kann sein Lebenszyklus verfolgt werden – wirklich gesehen hat aber noch niemand, wo genau und wie ein Aal in der Natur laicht und die Larven schlüpfen. Dennoch wollen wir dem Aal auf seinem bisher erforschten Weg folgen…

Für die, die Wissen auf einen Blick wollen: Auf der folgenden Abbildung wird der Lebenszyklus im Ganzen gezeigt. Danach schauen wir uns die Lebensphasen des Aals nochmal einzeln an.

1. Geburt

Das Leben des europäischen Aals beginnt – das ist sicher – irgendwo in den Tiefen der Sargasso-See im Westatlantik – weit weg vom europäischen Kontinent, auch als Bermuda-Dreieck bekannt.

2. Wachstum

Hier schlüpfen die Aal-Larven und wachsen fortwährend zu sogenannten Weidenblatt-Larven heran. Der Name rührt daher, dass ihre Form noch so gar nicht einem Aal ähnlich sieht, sondern eher der Form und Maserung eines Blattes.

3. Reise

Die Aal-Larven finden dann, von Meeresströmungen getrieben, nach einer zweijährigen Reise durch den Atlantik den Weg nach Europa. Ihre Gestalt, wandelt sich während ihrer Reise von der Weidenblattlarve zum Glasaal, der die Küsten des europäischen Kontinents erreicht und nun die Größe eines Streichholzes hat..

4. Aufstieg

Nun beginnt für den Aal der Aufstieg in die europäischen Binnengewässer. Aufgrund dessen werden die Aale fortan als Steigaale bezeichnet.

5. Reife

Die nächsten 10-15 Jahre, also den Großteil seines Lebens, verbringt der Aal in den Fluss- und Süßwasser-Systemen Europas. Sein Körper beginnt sich nach und nach gelblichbraun zu färben, weswegen er in dieser Zeit auch Gelbaal genannt wird. Der Fettgehalt der Tiere steigt im Laufe der Zeit kontinuierlich weiter an und erreicht schlussendlich 25-30% der Körpermasse. Sein Erscheinungsbild ist nun das eines Blankaales, erkennbar an vergrößerten Augen und Brustflossen.

6. Lebensende & Neubeginn

Als Blankaal tritt er die lange Rückreise in die Sargassosee an, um sich dort fortzupflanzen, dort zu laichen und anschließend zu sterben. Die Fruchtbarkeit der Aalweibchen liegt bei mehreren Millionen Eiern pro Kilogramm Körpergewicht.

Historie & Mythen

Der Aal fasziniert seit Jahrhunderten

Der Aal ist und bleibt ein Mysterium, denn trotz der Tatsache, dass er dem Menschen seit Jahrtausenden bekannt ist, gibt er uns seit jeher Fragen auf. Es gibt kaum einen Fisch, über den wir so wenig wissen, wie über den Aal, und das trotz seiner tiefen Verwurzelung in unserer Kultur.

Rückblick

Schon im 4. Jahrhundert vor Christus im alten Griechenland rätselte der Universalgelehrte, Philosoph und Naturforscher Aristoteles darüber, woher die Aale wohl kommen würden. Seine damaligen Ideen: Sie müssen von Erdwürmern abstammen, sich aus Staub bilden oder plötzlich im Schlamm entstehen. Ebenso galt lange Zeit, dass der Zoarces vivparus, ein kleiner Fisch der nordostatlantischen Küsten, der sich innerlich selbst befruchtet, die Aale hervorbringen würde. Daher nennt man diesen Fisch bis heute Aalmutter. Im Mittelalter hielt man Aale für eine Art der Schlangen. Man schlussfolgerte, dass sich Aale demnach auch mit anderen Schlangen paaren würden und Heilkräfte besäße.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte der Zoologe Johannes Schmidt die Weidenblattlarve in der Sargassosee und legte damit den Grundstein für die heute geltenden Erkenntnisse zum Lebenszyklus des Aals.

Geheime Fortpflanzung

Noch nie wurde ein Aal beim Laichen beobachtet. Trotz Forschung konnte das Gebiet, aus dem er kommt, bisher nur auf die Sargassosee im westlichen Atlantik eingegrenzt werden. Aber auch hier konnte noch nie ein Aal-Ei gefunden werden. Nur im Labor gelang es bisher einige Erkenntnisse zu gewinnen, wodurch der Lebenszyklus des Aals skizziert wurde.

Orientierungssinn

Auch der Weg in die Sargassosee ist ein Mysterium. Wie die Aale es schaffen, den bis zu 7000 Kilometer langen Weg aus den Binnengewässer Europas über den Atlantik bis hin in das kristallklare Wasser des Meeresgebiets östlich Floridas zu finden, ist nicht sicher. Es wird allerdings vermutet, dass Aale elektromagnetische Felder wahrnehmen und sich anhand ihnen orientieren.

Amphibie statt Fisch?

Aale sind auf ihrem Weg enorm hartnäckig und können quasi über Land gehen, obwohl sie Fische sind. Sofern das Wetter es zulässt und das Festland – etwa eine Wiese – nass und kühl ist, überquert er es und folgt dabei seinem extrem guten Geruchssinn, um den nächsten Fluss zu finden. Der Aal riecht stereoskopisch, was bedeutet, dass er einen Duft räumlich orten kann.

Zombie?

Aale erscheinen schwer zu töten. Viele Angler kennen es, dass ein toter Aal – selbst ausgenommen – sich noch weiter schlängelt. Ein Zombie ist der Aal damit jedoch nicht. Tatsächlich sind es sogenannte postmortale Nervenreaktionen, also Nervenbahnen, die noch Impulse senden, sodass der Aal einen lebendigen Eindruck erzeugt. Der Mythos, dass das Aal-Herz irgendwo im Schwanzbereich liegt, ist ebenso falsch. Der Aal besitzt jedoch gleich zwei Herzen.

Besonderheiten

10 bemerkenswerte Fakten über den Aal

Im Folgenden haben wir einige interessante Fakten über den Aal zusammengestellt, die ihn zu einem ganz besonderen Tier machen:
  • Marathonmann

    Der Aal ist ein Wanderfisch, er schlüpft und laicht in der Sargassosee, tausende Kilometer entfernt von Europa.

  • Landgänger

    Der Aal kann bis zu 24 Stunden außerhalb des Wassers überleben. Er “wandert” teilweise über Land, um in andere Gewässer zu gelangen.

  • 100er-Club

    Aale können in Ausnahmefällen über 100 Jahre alt werden.

  • Frauenpower

    Aalmännchen werden nur bis zu 50 cm lang, die Weibchen dagegen bis über 1 m.

  • Seeschlange

    Der längste jemals gemessene Aal war 1,33m lang.

  • Schwergewicht

    Der schwerste je gewogene Aal brachte 7,65 Kilogramm auf die Waage.

  • Urgestein

    Aale gibt es seit 40 Millionen Jahren. Zum Vergleich: Der Mensch (homo sapiens) existiert erst seit circa 300.000 Jahren.

  • Toxisch

    Aalblut in rohem Zustand ist giftig.

  • Spürnase

    Der Aal hat einen ausgesprochen starken Geruchssinn, welcher mit dem eines Hundes vergleichbar ist.

  • Herzensangelegenheit

    Der Aal hat zwei Herzen.

aal-Kultur

Fischer, Handel, Verarbeiter, Gastronomie, Zucht

Der Aalfang hat eine jahrhundertelange Tradition. Fang, Verarbeitung und Verkauf schafft tausende von Arbeitsplätzen. Aufgrund dessen ist der Aal nicht nur aus ökologischer, sondern auch aus kultureller und ökonomischer Hinsicht eine besonders schützenswerte Art.

Fischer

Die Fischer an der Nord- und Ostseeküste und fast allen Binnengewässern Deutschlands leben vom Aal. Vor allem im Herbst, dann ist Hauptzeit, werden die Netze ausgefahren und Reusen gestellt. Mit Tatkraft und Herzblut arbeiten die Fischer für ihren Lebensunterhalt.

Damit der Aal den Gewässern erhalten bleibt und genug erwachsene Aale in die Sargassosee zurückwandern können, engagieren auch sie sich im Rahmen von Maßnahmen. Ab 2017 etwa werden abwandernde Blankaale durch die Berufsfischer gefangen und in Küstennähe wieder ausgesetzt, z.B. in der Weser oder im Steinhuder Meer. Das sogenannte Aaltaxi hilft den Aalen unüberwindliche Hindernisse wie Sperrwerke zu überwinden und in ihr Laichgebiet in der Sargassosee zu gelangen.

Die Fischer sind neben den Anglern die Augen und Ohren am Gewässer
Die Berufsfischer setzen sich für Besatzaktionen und den Transport von Aalen ein

Beispielsweise besetzen deutsche und dänische Fischer auch gemeinsam Aale in der Flensburger Förde. Denn Aal ist hier fest verankert in der Kultur.

Darüber wurde ein 10-minütiger Film gedreht, der die ganze Story zwischen Aalkultur bzw. -fischerei und dem besonderen Fisch erzählt – wirklich sehenswert!

Dokumentarfilm zur Wichtigkeit des Aalbesatzes: Die Fischer der Flensburger Förde

Aal-Aufzucht

Bei der Aal-Aufzucht handelt es sich nicht um eine typische Aquakultur, denn aktuell ist sie noch abhängig vom Fang junger Glasaale. Bisher ist es dem Menschen nicht gelungen, dass Aale sich in Gefangenschaft erfolgreich fortpflanzen. Auch, wenn es Forscher mitunter geschafft haben, eine Befruchtung und ein Schlüpfen der Aal-Larven zu erreichen, so starben diese innerhalb weniger Tage bis Wochen. Umso wichtiger ist es, die Aalforschung voranzubringen und zu fördern, wie es Anliegen des ESF ist.

In den bestehenden Aalaufzuchten bzw. -farmen werden wild eingefangene Glasaale für den Verzehr gemästet.

Insbesondere in Asien werden Aale in großem Stil in Aquakulturen gehalten und aufgezogen. Für diesen enormen Bedarf Asiens werden Jungaale aus aller Welt angekauft, zu einem nicht unerheblichen Teil auch aus illegalen Quellen und und meist zu exorbitanten Preisen, die den Glasaalschmuggel zum weltweit größten Wildtier-Verbrechen machen, noch weit vor Elfenbein und Rhinozeros-Horn.

Manufakturen & Räuchereien

In Aal-Manufakturen und Räucherbetrieben wird Fisch seit vielen Jahrzehnten traditionell verarbeitet. Großteils in Handarbeit wird der Aal hier geräuchert und insbesondere, nordisch Kreationen verwandelt. Viele Familien führen ihre kleinen Betriebe bereits so lange, dass sie von Generation zu Generation übergegangen sind. Dabei entfalten die traditionellen Familienrezepte noch heute ihre Wirkung und der Charme und der erlesene Geschmack der Speisen lockt die Menschen zu den Verkaufsständen. Bei den Aal-Manufakturen handelt es sich nicht um industrielle Großproduktion, sondern um traditionelle Heimatkultur.

Für diese Menschen hier ist Aal eine Herzensangelegenheit – so setzen sich auch Manufakturen und Räuchereien als Mitglied des ESF für einen nachhaltigen Bestand des Aals in den europäischen Binnen- und Küstengewässern ein.

Händler

Auch die Fischhändler leben vom Aal. Da Aal ein beliebter Speisefisch ist, hat er eine enorme wirtschaftliche Bedeutung für die Betriebe, zu denen Großhändler gehören, die Fisch an die Gastronomie weiterverkaufen, aber auch kleine Fischverkaufsläden und Stände auf heimatlichen Fischmärkten.

Aal hat dabei einfach Tradition. Nicht zuletzt Marktschreier wie der Kultverkäufer “Aale-Dieter” auf dem Hamburger Fischmarkt zeigen, wie sehr Aal in die norddeutsche Kultur verwachsen ist. Die Händler wollen dem Aal dabei etwas zurückgeben und seine Zukunft sichern. Als Mitglied des Eel Stewardship Funds zahlen sie Beiträge ein, um Besatzaktionen, Maßnahmen zur Überwindung von Barrieren als auch die Forschung zu fördern.

Restaurants

Aal ist eine besondere kulinarische Köstlichkeit in norddeutschen Restaurants. Obwohl Aale einer der fettesten Speisefische ist, ist sein Aroma fein und zart. Obwohl der Räucheraal natürlich als ein beliebter Klassiker gilt, so kann auch hervorragend gebraten, gekocht und sogar gebacken werden. Kombiniert mit sommerlichem Gemüse wie Zucchini oder Möhren, Kartoffeln oder Dill und Sahne ergeben sich köstliche Gerichte. Was alles möglich ist, finden Sie in unserer Rezeptsammlung.

Angler

Angeln ist fester Bestandteil der deutschen Kultur. Die Angler, die in Vereinen und Verbänden organisiert sind, sind die Augen und Ohren am Gewässer. Sie kennen sich in ihren Regionen aus und erkennen Veränderungen der Fischbestände. Damit geben sie entscheidende Impulse für die Planung der Maßnahmen und die Forschung.

Ebenso sind es die Angelvereine, die Besatzmaßnahmen umsetzen und dafür Sorge tragen, dass die heimischen Fischarten nachhaltig vorhanden bleiben. Sie kontrollieren die Fischerei, pflegen die Gewässer und verfolgen illegale Wilderei.

Der Film über den Aalbesatz des ASV Bremerhaven-Unterweser, gefördert durch die Aalinitiative und den ESF, zeigt wie Angler sich einsetzen und erklärt die Hintergründe des Aalbesatzes:

Verbände & Organisationen

Neben den Individuen sind es konkrete Organisationen und Strukturen, die sich dem Aal widmen. So setzt sich aus der Sparte der Angler der DAFV (Deutscher Angelfischer-Verband) übergreifend für den Aal ein. Aber auch die Initiative zur Förderung des Europäischen Aals (IFEA), die den ESF ins Leben gerufen hat, ist eine solche Organisationen aus den Mitgliedern der Aal- Kultur bzw. Aal-Wirtschaft. Neben der IFEA setzt sich die Sustainable Eel Group (SEG) bedeutsam für den Aal ein. Ebenso wie die niederländische Organisation Dupan.

Aktuelles

Nachrichten aus der Aal-Welt: Alles zur Faszination Aal.

Fisch-und-Fang: Aale Jahre wieder!

Spannender und umfangreicher Online-Bericht des Fisch-und-Fang-Magazins zur Lebensweise des Aals und der Besatz-Strategie in Niedersachsen. Hunderttausende von jungen Aalen finden am 11. März 2022 ein...

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